Handbuch zur Partizipation der Stadt Berlin

Wer Nachhaltigkeit sagt, muss auch Partizipation wagen!

Beteiligung als Bestandteil von Nachhaltigkeit

Ich setze mich stets dafür ein Bürger*nnen aktiver einzubinden, auch wenn es partiell ein Verlust an „Gestaltungskompetenz“ für den Stadtrat oder die jeweilige politische Ebene bedeutet. Denn für mich ist es ist klar, Nachhaltigkeit kann ohne Partizipation nicht gelingen. Meine Erfahrung als Kommunalpolitikerin in Baden-Württemberg hat mich in dieser Meinung gestärkt:

Baden-Württemberg fährt den Karren einmal gegen die Wand

und baut dann aus den Trümmern neue Brücken

In Baden-Württemberg haben die erbitterten Proteste gegen das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 dazu geführt, dass man sich hierzulande intensiv mit dem Thema Bürgerbeteiligung auseinandergesetzt hat, mit dem Ergebnis, dass mittlerweile sogar internationaler Besuch sich über dieses Thema bei uns informiert. Am 23. Oktober 2018 war eine tunesische Delegation zu Besuch um sich die Tools, Methoden, das „Für“- und „Wider“ solcher bürgerlichen Mitsprachen fortzubilden.

Erfolgsrezept: Tempo raus – Beteiligung rein

Sicher gehen so manche Entscheidungsprozesse langsamer voran. Und ja, Beteiligungsprozesse sind aufwendig und häufig mit höheren Kosten im Vorfeld verbunden. Die Auswahl und schließlich Planung, Durchführung und Auswertung der Beteiligungsformate ist nicht zu unterschätzen. Es bedeutet MEHR und zwar von Allem: vom Personenkreis, der sich äußern kann und somit von Meinungen, Inhalten, Fakten, Vorschlägen und Fragen. Dieses MEHR bedeutet allerdings auch, mehr Qualität und zukunftsfähigere Entscheidungen. Frühe Einbindung der Betroffenen und Interessierten, kann die Planung von Projekten eindeutig verbessern und eine erfolgreiche Implementierung ermöglichen.

Kommunen und Bürgerschaft – eine Kommunikation auf Augenhöhe

Nachhaltig Geld ausgeben für Themen, die lokal bewegen

Wir Grünen nehmen die Bürgerschaft, ihre Fragen, Vorschläge und Ideen ernst. Wir sind im Dialog. So haben wir Grünen den sehr erfolgreichen Bürgerhaushalt implementiert. Die StuttgarterInnen können sich somit an der Planung des städtischen Haushalts online beteiligen. Es gibt die Möglichkeit Ideen einzureichen, zu bewerten und auch Beschwerden, in Form von sog. gelben Karten, einzubringen.

Das Stuttgarter Waldgremium

Als Forst- und Umweltwissenschaftlerin liegt mir unser Stadtwald stets am Herzen.  Zudem gibt es hier eine engagierte Bürgerschaft, die sich sehr dafür interessiert was mit dem Wald geschieht. Sie wollen beispielsweise wissen wann Bäume gefällt werden o.Ä. Wir Grünen haben nun ein Waldgremium eingerichtet, der „Bürgerwald“. Hier wollen wir mit den BürgerInnen in Dialog treten und wichtige Fragen zur Waldnutzung erörtern: Wie viel Forstwirtschaft, wie viel Einsatz für Erholung , wie viel Naturschutz soll sein? Somit kann der Wald sogar als „Lernort“ fungieren und zu den großen Fragen der Nachhaltigkeit führen, welcher ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Impact hat die Art und Weise wie wir mit den Ressourcen dieser Welt umgehen.

 

Nachhaltigkeit erfordert individuellen, tiefgreifenden inneren Wandel

– Lasst uns dieses Abenteuer wagen

Diese Fragen sind wichtig und umso wichtiger, ist dass sich die Menschen individuell damit auseinandersetzen und intrinsisch motiviert sind ihr Verhalten zu ändern. Denn Nachhaltigkeit berührt alle Themen des Lebens; Unser komplettes Verhalten: Wo und was wir einkaufen, wie und wann wir uns fortbewegen, was wir wegwerfen, recyceln, reparieren oder verschenken, hat in der Summe erhebliche Auswirkungen. Um die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen  (SDGs) zu erreichen, können Regierungen nicht einfach „von oben“ den Menschen diktieren, wie sie zu leben haben. Selbstverständlich sind Richtlinien, Gesetze und Verordnungen unabdingbar, jedoch genügen sie nicht. Es muss sich in den Köpfen und Herzen der Menschen ein Wandel zur Nachhaltigkeit vollziehen, sie müssen intrinsisch motiviert werden die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Mit meinem Unternehmen AbenteuerWandel konzentriere ich mich auf diesen Aspekt. Schlüssel ist es, den Menschen zu helfen aus alten Denk- und Handlungsmustern auszubrechen, neu und frisch zu denken. Denn wie Albert Einstein so trefflich formulierte, kann man Probleme niemals mit derselben Denkweise lösen durch die sie entstanden sind. Nachhaltigkeit erfordert umdenken, erfordert Umbruch, erfordert Mut! Anders konsumieren, anders mobil sein und anders sich einbringen!

Darum fordere ich, dass die EU mit ihrer Bürgerschaft mehr in den Dialog treten muss. Sie muss BürgerInnen empowern, ihnen die Möglichkeit geben den Wandel mitzutragen und zu gestalten. Ich stelle mir, angelehnt an meinen eigenen Erfahrungen in Stuttgart einen Europa-Dialog vor, einen Bürgerhaushalt und ein besseres Beschwerden Management.

Denn wer Nachhaltigkeit sagt, muss auch Beteiligung wagen!

 

FÜR STADTENTWICKLUNG, Senatsverwaltung. Umwelt (2012): Handbuch zur Partizipation. Kulturbuch-Verlag, Berlin

Dangschat, Jens; Segert, Astrid (2011): Nachhaltige Alltagsmobilität – soziale Ungleichheiten
und Milieus. In: Österreichische Zeitschrift für Soziologie (36), S. 55–73

Bürgerhaushalt Stuttgart: https://www.buergerhaushalt-stuttgart.de/informieren

Waldgremium Stuttgart: https://www.youtube.com/watch?v=x4kLrg_K5Yc

Nachhaltigkeitsziele SDGs: https://anna.deparnay-grunenberg.eu/nachhaltigkeit/

AbenteuerWandel: https://www.abenteuerwandel.com/

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld